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Nutzung VPS
Praxis Tipp: die Nutzung von VPS
Die zeitgenaue Steuerung von Videorecordern mittels VPS hat in den zurückliegenden rund 20 Jahren weite Verbreitung gefunden. Die Frage, ob dieses bewährte System auch unter DVB-T mit SetTop-Boxen funktioniert, hat viele Aspekte und ist nicht ganz einfach zu beantworten.
Grundlagen
Das Video Programm System (VPS) dient beim heutigen analogen Übertragungsverfahren zur zeitlichen Synchronisation einzelner Sendungen. Die Kennzeichnung einer bestimmten Sendung mit dem VPS-Signal macht es z.B. möglich, Aufzeichnungen auch dann "pünktlich" zu starten, wenn es aus irgendwelchen Gründen zu Terminverschiebungen gekommen ist.
Technisch ist das VPS-Signal beim heutigen analogen Fernsehen in die Zeile 16 des TV-Signals eingebettet. Es wird zusammen mit dem regulären Signal empfangen, im Recorder ausgewertet und löst dann die entsprechenden Funktionen aus.
Beim digitalen Fernsehen erfolgt die Übertragung jedoch nicht mehr zeilenweise, sondern in Form ineinander verschachtelter Bits und Bytes, eben "digital codiert". Dabei sind in der Regel mehrere Programme in einem Datenstrom (= "Multiplex") zusammengefasst.
Einer der wesentlichen Fortschritte dieser Technik ist es, dass durch die digitale Codierung nicht nur das eigentliche Programm übertragen werden kann, sondern darüber hinaus nahezu beliebige zusätzliche Daten und Informationen. Die verschiedenen Möglichkeiten sind in den jeweiligen DVB-Standards genau spezifiziert und festgeschrieben. Dabei handelt es sich z.B. um die sogenannte "Service-Information" (=SI) und den "Navigator". Darüber hinaus gibt es weitere, vom Programmanbieter frei gestaltbare Zusatzinformationen, beispielsweise den elektronischen Programmführer (EPG = Electronic Program Guide).
Mit diesen Werkzeugen - EPG, SI und Navigator - ist eine viel weiter gehende und komfortablere Kennzeichnung einzelner Programme möglich, als mit dem bisherigen VPS-System.
Die Perspektive bei der digitalen Programmverbreitung liegt also nicht in der Fortführung des analogen "Rudiments" VPS, sondern in der direkten digitalen Steuerung der Aufzeichnung!
Dementsprechend ist in den Spezifikationen für DVB vorgesehen, die Funktion von VPS durch digitale Zusatzdaten zu ersetzen, die Teil der spezifizierten DVB-Service-Information (SI) sind. Die Programmanbieter können diese Informationen im Rahmen des standardisierten "Event Information Table" verbreiten. Sie werden z.B. in Form des Electronic Program Guide (EPG) vom Endgerät wiedergegeben. Über diese Daten können dann auch Aufzeichnungen programmsynchron gesteuert werden - sofern die Endgeräte die entsprechende Ausstattung besitzen und soweit die Sender diesen Dienst anbieten und standardkonform ausstrahlen.
Der Zweck des EPG wird nämlich nur erreicht, wenn die SI-Daten aller Anbieter von allen Programmen aus verfügbar sind. Wegen der geringeren Datenrate und Bandbreite bei DVB-T (im Vergleich zu DVB-C, DVB-S) muss in der Praxis möglicherweise mit Einschränkungen gegenüber dem bisherigen VPS-Service (Datenvorhalt etwa vier Wochen vor Sendetermin) gerechnet werden. Daher ist heute noch offen, ob bei DVB-T der vom heutigen VPS-Dienst gewohnte Informationsumfang erreicht werden kann.
Bereits heute nutzen zahlreiche Geräte der neuen digitalen Generation, beispielsweise Festplattenrekorder für Sat-Empfang, die beschriebenen digitalen Programmdaten zur Steuerung von zeitgenauen Aufzeichnungen.
Nutzung von VPS in der digitalen Praxis
Wie unter "Grundlagen" erläutert, gehört die Zukunft langfristig den beschriebenen neuen Verfahren der direkten digitalen Steuerung der Aufzeichnung. Gleichwohl wurde auch das Handling von herkömmlichen VPS-Signalen zur Aufnahmesteuerung unter DVB standardisiert.
In der Praxis allerdings ist die Nutzung bzw. die Nutzbarkeit vor allem des VPS-Signals gegenwärtig weder von Seiten der Programmanbieter noch der Endgeräte sichergestellt.
In den folgenden Abschnitten werden Zusammenhänge und Hintergründe dem aktuellen Stand entsprechend dargestellt. Die Entwicklung ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Über Neuigkeitenund Änderungen werden wir im News-Bereich und an dieser Stelle berichten.
1: Standardisierung
Die Grundlagen für die Steuerung von Aufzeichnungen bei digitaler Übertragung sind seit 1997 in der europäischen Norm ETS 300468 und dort in der Service Information (SI) spezifiziert (gilt für alle Übertragungswege von DVB ).
Die SI besteht aus mehreren Datentabellen und enthält u.a. die Daten für den Electronic Program Guide. Die für die zeitrichtige Aufnahmesteuerung wichtigen Informationen sind u. a. im Event Information Table, kurz EIT (u. a. Programmtafeln, Programmarten-Kennung, Altersklassifizierung für Jugendschutz) und im Running Status Table, kurz RST (gibt u. a. an, ob die Sendung gerade läuft oder der Beginn kurz bevorsteht) enthalten.
Zusätzlich wurde im Jahr 2000 in der ETSI Norm EN 301775 auch die Weiterführung von VPS in der von PAL bekannten Form für die Übertragung in DVB-Bitströmen auf allen Verbreitungswegen (Kabel, Satellit, Antenne) standardisiert.
2. Technische Voraussetzungen
Voraussetzung für die Nutzung einer der unter Ziffer 1 genannten Methoden als Programmierhilfe für VCR ist, dass
٠ die Programmveranstalter diesen Dienst anbieten
٠ die Programmveranstalter die Daten standardkonform aufbereiten und vollständig an die Sendernetzbetreiber zur Ausstrahlung weitergeben
٠ sowohl Hardware als auch Software der SetTop-Boxen für die Nutzung und Darstellung der Daten geeignet sind
٠ die eingesetzten Videorecorder VPS-fähig und über Scart (nicht über HF!) mit der STB verbunden sind.
3. Die Situation auf Sendeseite
SFB und T-Systems als Betreiber der digitalen terrestrischen Sendernetze in Berlin und Brandenburg stellten im Januar 2003 auf jedem Programmplatz SI-Daten aller an der DVB-T-Ausstrahlung in der Region beteiligten Programmanbieter bereit. Wegen der geringeren Datenrate und Bandbreite bei der terrestrischen digitalen Übertragung (verglichen mit DVB-C, DVB-S und analoger Ausstrahlung) muss jedoch mit Einschränkungen bezüglich des Umfangs der Daten gerechnet werden. So werden die EPG-Daten bei terrestrischer Verbreitung derzeit nur für den Zeitraum weniger Stunden vor Sendetermin vorgehalten (VPS in der bisherigen analogen Welt: vier Wochen). Außerdem ist der Umfang der ausführlichen Zusatz-Informationen zu den einzelnen Sendungen in der Regel auf 200 Zeichen limitiert.
Die von den Sendeanstalten in Form des Electronic Program Guide (EPG) angebotenen Informationen können in der Regel von allen STB - zumindest in minimalem Umfang - dargestellt werden. Allerdings gehen die Anstalten bei der Signalisierung nicht einheitlich vor.
Um Klarheit über Art und Umfang der tatsächlich gesendeten Steuersignale zu bekommen, haben Entwickler von Metz im Dezember 2002 die digitale Ausstrahlung via Satellit eingehend untersucht. Danach haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten die Ausstrahlung über EIT gewählt, während Privatsender eher die Codierung in Zeile 16 präferieren.
Das Ergebnis der Erhebung: Bei den Privaten sendet einzig RTL2 in Zeile 16 ein "plausibles VPS-Label, das zur VTR- Steuerung taugt". Von jenen öffentlich-rechtlichen Programmen, die in Berlin und Brandenburg digital-terrestrisch verbreitet werden, sendeten WDR, ORB und SFB1 "brauchbare" VPS-Daten. Unter der Voraussetzung, dass die terrestrischen Programmsignale in Berlin und Brandenburg denen der Satellitenverbreitung entsprechen, sollte dieser Status auch für die hiesige DVB-T-Verbreitung zutreffen.
4. VPS auf Empfangsseite
Vorbemerkung: Die folgenden Angaben gehen von der heute üblichen Situation aus, dass ein vorhandener analoger Videorekorder in Verbindung mit der neuen SetTop-Box weiterhin genutzt werden soll. Dabei ist es unerheblich, ob nur eine SetTop-Box verwendet wird oder deren zwei (Zwei sind erforderlich, wenn während der Aufnahme gleichzeitig ein anderes Programm gesehen werden soll). In diesem Fall gelten die folgenden Angaben natürlich nur für die STB, an die der Videorekorder angeschlossen ist.
Obwohl die Bereitstellung des über die PAL-Zeile 16 gesendeten VPS-Signals für DVB standardisiert wurde, ermöglichen derzeit nicht alle SetTop-Boxen die Nutzung dieses Signals. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe:
٠ die Wiedereinfügung ("Re-Insertion") der VPS-Daten in die Zeile 16 des PAL-Signals, das zum vorhandenen Fernseher weitergeleitet wird, ist technisch relativ aufwändig und wird deshalb nicht von allen Herstellern realisiert, und
٠ nicht alle derzeit verfügbaren DVB-Chipsätze sind für diese Funktion ausgelegt.
Bei Geräten, bei denen das VPS-Signal wieder in die Zeile 16 des analogen PAL-Signals reinsertiert wird, muss der Anschluss des Videorecorders in der Regel über die SCART-Buchse (nicht HF!) erfolgen.
Was die Chipsätze anbetrifft, so hat eine Untersuchungen in den Thomson Labors ergeben, dass die erforderliche Funktionalität in folgenden Chipsätzen enthalten ist:
٠ STi Chipsatzfamilie von ST Microelectronics;
٠ IBM (Vesta);
٠ TI (TMS320AV7200) und
٠ Micronas (MDE 9500/MDE 9502).
(Nicht unterstützt wird VPS von den Chipsätzen von LSI, NEC, Broadcom, Conexant)
Einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!):
Metz verwendet nach eigenen Angaben für seine DVB-T Receiver den Chipsatz STi 5512. Das analoge VPS-Signal wird reinsertiert und bereitgestellt. Der Anschluss des Videorecorders muss über SCART (nicht über HF) erfolgen.
TechnoTrend verwendet den Chipsatz TI AV7110 DVB in seiner Produktserie "TT". Diese STBs sind unter den Marken Lorenzen (SL DVB-T2) und Hauppauge (DEC-2000 T) im Handel.
Bei den genannten Boxen ist also eine Unterstützung der VPS-gestützten zeitrichtigen Aufzeichnung im Bereich des Möglichen, kann jedoch nicht garantiert werden.
5: EPG als personalisierter Dienst
Außerhalb von DVB-T nutzen zahlreiche Geräte der neuen digitalen Generation beispielsweise Festplattenrekorder (die gegenwärtig noch überwiegend für Sat- Empfang angeboten werden) bereits den EPG oder auf dessen Datenquellen aufsetzende internetbasierte, teils kostenpflichtige Dienste zur Steuerung von Aufzeichnungen.
Diese Datenbasis ermöglicht in Verbindung mit entsprechenden Diensten die automatisierte Aufzeichnung von Sendungen nach frei definierbaren Vorlieben der Zuschauer (TV-Genres wie Krimi, Show oder Cast & Credits). Bezeichnet wird ein solcher, bei einigen Anbietern kostenpflichtiger individualisierter Dienst, vielfach als "Personal Video Recording".
6: DVB-T: Tipps und Tricks
Allgemeine Hinweise zum Aufzeichnen von DVB-T Sendungen
Bei Anschluss eines vorhandenen (analogen) Videorekorders an eine STB muss folgendes beachtet werden:
1. Die Wahl des aufzunehmenden Programms erfolgt an der STB, NICHT am Rekorder!
2. Die Verbindung zum Rekorder sollte über SCART (nicht HF / Antenne!) erfolgen; folgerichtig muss der Rekorder auf AV-Eingang eingestellt werden;
3. Die STB muss zum Zeitpunkt des Aufnahmebeginns eingeschaltet und auf das richtige Programm eingestellt sein!
Die unter 3. genannte Forderung bedeutet, dass die STB praktisch vom Zeitpunkt der Programmierung ab eingeschaltet bleiben muss - es sei denn, sie besitzt einen "Timer". Dann nämlich kann sie so programmiert werden, dass sie rechtzeitig vor der aufzunehmenden Sendung automatisch aus dem Standby- Betrieb "aufwacht" und dann das aufzunehmende Programm an den Rekorder weiterleitet.
Alternativ ist es auch möglich, die STB über den EPG zu "wecken", sofern der Timer diese Funktion ermöglicht und die EPG-Daten verfügbar sind.
Über die Ausstattungen und Möglichkeiten der verschiedenen Geräte informieren die Rekorder- und STB-Hersteller.
Weitere Programmierhilfen unter PAL
Eine weitere, sehr komfortable Möglichkeit der Programmierung ist das von einigen Herstellern angebotene VPT System (Videorecorder programmiert durch Teletext, auch als "Textprogramming" bezeichnet). Dabei erfolgt die Programmierung mit Hilfe der Videotext-Programmtafeln, indem die gewünschte Sendung einfach markiert wird. Dabei werden die dort integrierten VPS-Zeiten automatisch in die Programmierung übernommen. Beim digitalen Empfang müsste die STB also sowohl Teletext als auch VPS über das analoge SCART-Interface weiterreichen. Voraussetzung für die Nutzung bei digitalem Empfang ist daher - über die Chip-Problematik hinaus - die Videotextfähigkeit der STB.
Weiterführende Links:
Technik
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