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FAQ: Entstehung und Begriffe
Entstehung & Begriffe von DVB-T
Wie ist "Digitales Fernsehen" entstanden?
Ähnlich wie bei der CD, die etwa 20 Jahre vorher die Vinylplatte ablöste, ging es bei der Digitalisierung des Fernsehens in der Anfangszeit um bessere Qualität: Durch eine Verdoppelung der Bildpunkte in horizontaler wie auch vertikaler Richtung sollte höhere (=feinere) Auflösung erzielt werden, so dass große Bildflächen und ein kinoartiges Erlebnis möglich wären. Das hochauflösende Fernsehen (HDTV = High Definition TeleVision) war in aller Munde und weltweit begann ein Entwicklungswettlauf um die erforderlichen Systeme und Geräte. Schon Anfang der 90er Jahre zeigte sich jedoch, dass die dafür erforderliche Technik zunächst noch zu aufwendig sein und dass der Zuschauer diese Art der Qualitätsverbesserung nicht honorieren würde. Die bis dahin durchgeführten Entwicklungsarbeiten, insbesondere auch im Studiobereich, haben jedoch gezeigt, dass eine konsequente Umstellung der gesamten Fernsehtechnik auf digitale Systeme und Techniken, von der Produktion über die Bearbeitung, die Verbreitung bis hin zum Empfang, mit den mittlerweile entwickelten Systemen und Bauelementen der Mikroelektronik technisch realisierbar ist. Insbesondere in den USA begannen schon sehr frühzeitig intensive Entwicklungsarbeiten, die in dem sogenannten ATSC Standard (American Television System Committee) endeten.
Was ist das DVB-Projekt?
In Europa hatten nach längeren Vorarbeiten die großen europäischen Gerätehersteller und Rundfunkanstalten im September 1993 ein Strategiepapier entwickelt, um die notwendigen Voraussetzungen für einheitliche Technologien und Märkte zu schaffen. Dieses sogenannte "Memorandum of Understanding" (MoU) war gewissermaßen die Geburtsurkunde des DVB-Projektes (Digital Video Broadcasting). Die wichtigsten Aufgaben und Ziele des Projektes, das sich übrigens ohne nennenswerte Fördermittel allein aus den Beiträgen der Mitglieder finanziert, ist die gemeinsame und koordinierte Entwicklung von Systemen, mit denen das digitale Fernsehen in Europa via Satellit, Kabel und terrestrischer Ausstrahlung, möglich gemacht werden sollte.
Mittlerweile hat sich das DVB-Projekt über Europa hinaus auf die gesamte Welt ausgedehnt und umfasst mehr als 300 Organisationen aus 37 Ländern, darunter auch z.B. aus Japan, Südkorea, Kanada und den USA. Aufbauend auf den Ergebnissen früherer europäischer Projekte haben die Mitarbeiter in sehr kurzer Zeit eine große Zahl technischer Standards entwickelt, die digitales Fernsehen zur Realität gemacht haben.
So gibt es Normen für Satellitenübertragung (DVB-S), für die Verbreitung im Kabel (DVB-C) sowie für die terrestrische Ausstrahlung (DVB-T), dazu Standards für die Mikrowellenübertragung, für die Rückkanäle bei interaktiven Anwendungen und natürlich Vorschriften über die interne Datenstruktur und Steuerung (SI: System Informations).
Seit einigen Jahren sind diese Standards weltweit im Einsatz und haben große Verbreitung rund um den Globus gefunden: Ohne Zweifel ist DVB bereits heute das weltweit am häufigsten eingesetzte System für digitales Fernsehen. Von Australien bis Kanada, von Südafrika bis Finnland: DVB gewährleistet, dass digitale (DVB-) Programme an jedem Ort der Welt auf jedem DVB Gerät empfangen und wiedergegeben werden können.
Was ist die "Multimedia Home Platform" (MHP)?
Der jüngste aus der Familie der DVB Standards ist MHP: die "Multimedia Home Platform". Dieser Standard soll garantieren, dass nicht nur - wie oben beschrieben - alle Programme problemlos weltweit empfangen werden können, sondern auch die vielfältigen Zusatzdaten und -dienste, seien es Elektronische Programmführer (EPG: Electronic Program Guide), neuartige Multimedia Anwendungen sowie interaktive oder Internet-Dienste.
Die Multimedia Home Platform wird künftig die Welten von TV und Computer, von Fernsehen und Internet miteinander verbinden! Technisch ist die Multimedia Home Platform ein Software-Standard, der die Schnittstelle zwischen Betriebssoftware und Anwendungssoftware (API: Application Program Interface) definiert. Darüber hinaus gehören zu MHP noch weitere Elemente der Systemsoftware, wie z.B. der Application Manager, Transportkontrolle und die sogenannte "Java Virtual Machine". Das Gesamtpaket wird oftmals auch als "Middleware" bezeichnet.
All' diese Festlegungen waren in den ursprünglichen DVB-Standards, die zunächst nur auf die Übertragung von Fernsehprogrammen ausgerichtet waren, nicht enthalten. Folglich haben alle bisherigen Programmanbieter eigene Lösungen entwickelt und auf den Markt gebracht, die aber untereinander nicht kompatibel waren.
Hinter dem Begriff Multimedia Home Platform verbirgt sich also ein gemeinsamer Standard für alle neuartigen Inhalte und Anwendungen, so dass diese von allen Empfangsgeräten "verstanden" werden. Oder, wie Dr. Georg Lütteke, Leiter der MHP-Gruppe in der TV-Plattform, es formuliert: "MHP ist, wenn man nur eine Set Top-Box braucht und damit alle Programme und neuen Dienste empfangen kann." Das DVB / MHP API basiert auf der von Sun entwickelten Java-Technologie. Der Internet-Zugang erfolgt über die bekannten technischen Lösungen von W3C und der IETF. Das DVB Common Interface ermöglicht zudem verschiedene CA- (=Conditional Access) Systeme und damit die Nutzung aller Dienste auf nur einem Empfangsgerät (SetTop-Box).
Wozu noch (digitales) terrestrisches Fernsehen?
Während man bei Satellitenempfang und Kabelübertragung immer einen (meist fest verlegten) Antennenanschluss benötigt, ermöglicht das digitale terrestrische Fernsehen erstmals portablen und sogar mobilen Empfang in hoher Qualität.
Portabel heißt: Das Gerät ist unabhängig von einer Anschlussdose überall, d.h. in jedem Zimmer oder auch außerhalb der Wohnung, auf der Terrasse, im Garten oder unterwegs empfangsbereit und liefert mit nur einer kleinen Stabantenne erstklassige Bild- und Tonqualität! Deshalb wird diese Art der Übertragung auch als "Überall Fernsehen" bezeichnet.
Mobil heißt: Terrestrisches digitales Fernsehen kann auch während der Fahrt in Fahrzeugen empfangen werden, sei es im Bus, in der Bahn oder sogar im Auto. Natürlich geht es im Auto nicht darum, den Fahrer durch Fernsehprogramme zu unterhalten (und abzulenken) - Ziel ist vielmehr eine zusätzliche Datenübertragung, z.B. für Informations-, Navigations- und/oder Sicherheitssysteme wie multimediale City Guides oder Ähnliches. Bereits mehrere Auto-Hersteller arbeiten in ihren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen mit Hochdruck an entsprechenden Systemen und Anwendungen. Experten gehen davon aus, dass die terrestrische Übertragung, die heute nur noch von weniger als zehn Prozent der Zuschauer genutzt wird, durch diese einzigartigen Vorteile und durch die attraktiven neuen Anwendungen eine Renaissance erleben wird.
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